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Zeit im Magazin Der Sprung in die Vergangenheit- oder: 
wie baut man eine Zeitmaschine?

von Daniela Koerppen
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Man nehme: einen bequemen Polstersessel, eine Ebenholzsockelplatte, eine Zeitverzerrungsplatte und eine Messingreling um darin die notwendigen Kabel unterzubringen - schon hat man die wesentlichen Teile zusammen, um eine Zeitmaschine zu bauen. Die Konstruktion des Motors dürfte keine großen Schwierigkeiten bereiten. Wichtig ist vor allem ein Getriebe versehen mit einem Nickelgehäuse, eine Antriebsplatte und ein Motorenventilator zur Kühlung. Aufwindkontrollplatten sorgen für einen ruhigen Start. Eine Bereitschaftsleuchte signalisiert den Startzeitpunkt. Um sich auf der Reise durch die Zeit nicht zu verirren, sollten unbedingt ein Zeitkristall, eine Positionslampe und eine Anzeigetafel montiert werden. 
 

Theoretische Grundlagen
Ob es nun an Mut, an innerer Bereitschaft, an technischem Know-how oder gar an handwerklichen Fähigkeiten mangelt: Die meisten Menschen reisen im Moment lieber noch in Gedanken durch die Zeit. Über die theoretischen Grundlagen, die man für einen solchen Trip benötigt, sind sich Sciencefictionautoren, Ufoforscher und Wissenschaftler einig. Grundvoraussetzung ist die von Einstein ins Leben gerufene Relativität der Zeit. Auch wenn er selbst bis zu seinem Tod der Überzeugung war, dass die Allgemeine Relativitätstheorie keine Zeitreisen zuließe, dient sie bis heute als Fundament zur Erforschung von Reisen durch die Zeit. Er widerlegte die Newtonsche Behauptung, Zeit laufe überall mit einer konstanten Geschwindigkeit ab. Außerdem stellte er fest, dass Zeit durch Bewegung beeinflusst wird. Uhren, die mit einem Körper in relativer Bewegung verbunden sind, laufen langsamer als Uhren, die sich im Ruhezustand befinden. Man muss sich von dem Gedanken verabschieden, es existiere ein einheitliches Zeitmaß. Einem Raumfahrer kann seine Reise durchs All wesentlich kürzer erscheinen als den Freunden und Verwandten auf der Erde. Er reist mit hoher Geschwindigkeit, so dass seine Uhr automatisch langsamer läuft, als die der auf der Erde Zurückgebliebenen. 
Die einzige Konstante, die sich nie verändert, war für Einstein die Lichtgeschwindigkeit. Licht legt innerhalb einer Sekunde eine Entfernung von 300.000 Kilometern zurück. Das schnellste Raumschiff schafft höchstens 40 Kilometer pro Sekunde. Eine der Voraussetzungen für eine Reise durch die Zeit wäre ein Gefährt, das sich mit Lichtgeschwindigkeit bewegen könnte. Für die Astronauten stünde die Zeit so praktisch still. Würden sie sich schneller als das Licht bewegen, wären sie auf dem Weg in ihre eigene Vergangenheit. Ihre Uhren müssten in diesem Fall rückwärts laufen. 
Nach heutigem Forschungsstand ist es unmöglich, die Barriere der Lichtgeschwindigkeit zu überwinden. Die Antriebsenergie, die zur Beschleunigung eines Raumschiffes benötigt wird, steigt konstant mit der Zunahme der Geschwindigkeit. Dies wurde in Versuchen zwar nicht mit Raumschiffen aber mit Elementarteilchen in Teilchenbeschleunigern bewiesen. Diese Teilchen können bis zu 99,9 Prozent der Lichtgeschwindigkeit beschleunigt werden. Wieviel Energie auch immer eingesetzt wird: es ist unmöglich, sie über die Schranke der Lichtgeschwindigkeit zu treiben. 
 

Wurmlöcher
Eine weitere hypothetische Möglichkeit in die Vergangenheit zu reisen bieten die sogenannten Wurmlöcher. Darunter versteht man eine dünne Röhre, eine Art schmalen Gang, der zwei weit auseinanderliegende,verschiedene Regionen von Raumzeit miteinander verbindet. Es ist ein Tunnel, der die Entfernungen zwischen einzelnen Sternen extrem verkürzen kann. Um von der Erde zu Alpha Centauri, dem nächsten Stern in unserem Sonnensystem, im gewöhnlichen Raum zu gelangen, müsste ein Raumschiff 40 Billionen Kilometer zurücklegen. Könnte es durch ein Wurmloch schlüpfen, würde die Entfernung auf einige Millionen Kilometer zusammenschrumpfen. Eine Reise in die Vergangenheit wäre so theoretisch für einen Bewohner von Alpha Centauri möglich, der mit seinem Fluggefährt durch ein Wurmloch zur Erde reist. Er betrügt die Zeit zum einen, weil er sich jenseits des Verlaufs der Raumzeit bewegt, die er durch das Wurmloch unterwandert. Reist er zusätzlich noch mit Überlichtgeschwindigkeit, läuft seine eigene Zeit rückwärts, so dass ein weiterer Zeitsprung möglich wäre.

Auch Einstein ging von der Existenz solcher Brücken zwischen Raum und Zeit aus. Er glaubte allerdings, dass sie eine extrem kurze Lebensdauer hätten und kein Raumschiff wirklich in der Lage sei, sie zu passieren. Um Wurmlöcher offen zu halten, braucht man eine Raumzeitregion mit negativer Krümmung, ähnlich der Oberfläche eines Sattels. "Gewöhnliche Materie besitzt eine positive Energiedichte und verleiht der Raumzeit deshalb eine positive Krümmung, wie sie die Oberfläche einer Kugel aufweist. Um Raumzeit derart zu krümmen, dass sie Reisen in die Vergangenheit zulässt, braucht man Materie mit negativer Energiedichteď, so der Physiker Stephen Hawking. Für ihn bleibt die Frage nach der Möglichkeit von Zeitreisen weiterhin offen.

Schwarze Löcher
Wer im Universum kein Wurmloch findet, kann sich auch eines schwarzen Loches bedienen, um durch Raum und Zeit zu wandern. Um zu verstehen, wie ein schwarzes Loch ´funktioniert´, denkt man am besten an einen großen Staubsauger, der alles, was sich in seiner Nähe befindet, verschluckt. Bewirkt wird dies durch die enorme Anziehungskraft, die von ihm ausgeht. Schwarze Löcher entstehen durch das Kollabieren eines Sterns. Die Masse eines Himmelskörpers verdichtet sich. Protonen, Elektronen und Neutronen werden zusammen mit anderen Partikeln, die den Stern bilden, durch die Schwerkraft komprimiert. Platzmangel tritt ein. Der Stern stürzt in sich zusammen. Übrig bleibt das schwarze Loch. 
Die größte Anziehungskraft und die größte Verzerrung im Universum hat man im Umfeld dieser kollabierten Sterne gefunden. Auch Lichtstrahlen sind davon betroffen, da sie den Gesetzen der Schwerkraft unterliegen. Sie werden von den schwarzen Löchern aufgesogen.
Bereits Ende des 19. Jahrhunderts fand der Physiker Hendrik Antoon Lorentz heraus, dass sich sogar die Zeit in der Nähe eines starken Gravitationsfeldes verlangsamt. Am Rand eines schwarzen Loches, dem Ereignishorizont, steht sie seiner Meinung nach still. Bewegt man sich trotzdem weiter zum Kern des ehemaligen Sterns, müsste die Zeit entweder rückwärts ablaufen oder überhaupt aufhören zu existieren. Einer Reise ins alte Rom oder ins Mittelalter stünde nichts mehr im Wege.
Viel zuviel physikalische Theorie? Es besteht immer noch die Möglichkeit , diese Zeitschrift schleunigst bei Seite zu legen, zum nächsten Baumarkt fahren, Holzplatten, Kupferdrähte und Glühbirnen zu besorgen und sofort mit der Konstruktion seiner ganz persönlichen Zeitmaschine zu beginnen. 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

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