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| Zeit im Magazin | Auch
das Schäferstündchen gehört in den Filofax
von Dieter Hoogestraat
Anfang der 80er Jahre
war es in Deutschland noch ein Geheimtipp - das Selbstmanagement. Die Kunst
also, sich selbst den Tag so einzuteilen, dass nach Möglichkeit alle
anstehenden Aufgaben auch erledigt werden können. In einer Situation
jedoch, in der sich immer mehr Manager von der heranrollenden Computerisierung
der betrieblichen Umwelt bedroht fühlten, fand die professionelle
Tageseinteilung sehr schnell Verbreitung. In Terminplanern, Aufgabenbüchern,
Datenbanken und mit Hilfe kleiner Computer wurde festgehalten, was es festzuhalten
gab. Als Geheimwaffe gegen den Taumel der Geschwindigkeit fand das Zeitmanagement
derart begeisterte Aufnahme, dass der Spiegel nur zehn Jahre später,
im Mai 1989, festhalten konnte: "Alle tun es. Wahre Künstler treiben
die Zeitplanung sogar soweit, dass sich lange Schleifen unverplanter Zeit
ergeben."
Es ist die Beschränktheit,
mit der Zeitplansysteme benutzt werden, die sie laut Filz eher zu einem
Feind denn zu einem Sparringspartner in Sachen Zeitoptimierung werden lassen.
"Ausgehend von beruflichen Zielvorgaben“, so Filz, "landen in den frei
gewordenen Zeitlücken nämlich genau wieder berufliche Termine.“
Der ganze Tag wird so zu einer unwiderruflichen Abfolge professioneller
Aufgaben, die, so es der Kalender hergibt, bis spät in den Abend gehen.
"Die ganz besondere Gefahr dabei", so der Iserlohner Wissenschaftler weiter,
"ist, dass Nutzer von Zeitplansystemen das Gefühl haben, dass ja eigentlich
gar nichts schief gehen kann, da ja alles optimal geplant ist." Doch anstatt
freien Raum für kreative Arbeit zu schaffen, wächst so der Druck
auf den Einzelnen, und das Problem der Selbstorganisation nimmt eine neue
Dimension an. Der Effekt ist, dass laut einer aktuellen Forsa-Umfrage auch
nach zwanzig Jahren Zeitmanagement immer noch 51% aller Führungskräfte
in Deutschland über eine zu hohe Stressbelastung klagen. Und gar 52%
aller Köpfe in den Führungsetagen fühlen sich gerade durch
unrealistische Zeitplanung in ihrer Arbeit behindert.
Wer zu ihm ins Seminar kommt, wird damit konfrontiert. Denn bevor es an die tägliche Planung geht, werden die harten Recken erst einmal mit echten Soft-Skills vertraut gemacht. Sie müssen sich einen Überblick über ihre ganz persönlichen Werte verschaffen. Neben den nächsten Schritten auf der Karriereleiter werden Vorstellungen über Partnerschaft, Freizeit und Möglichkeiten öffentlichen Engagements berücksichtigt. Anschließend werden diese Ziele und Werte mit konkreten Handlungen in Verbindung gebracht. Mit Hilfe eines zusätzlichen Formblattes wird dann gemessen, inwieweit die persönlichen Wertvorstellungen Eingang in den sonst üblichen Alltag gefunden haben. "Dabei“, so Filz, "stellt dann mancher Manager fest, dass er zwar ganz klare Vorstellungen über seine Wünsche hat, im Alltag jedoch so gut wie nichts dazu tut, diese Ziele auch zu erreichen.“ Das soll sich fortan
ändern. "Stellen Sie sich vor“, so Filz, "da steht am Mittwoch Nachmittag
auf einmal ein Termin "Drachenbau mit dem Sohnemann“! Was so völlig
normal erscheint, wird in der Realität nämlich oft einfach weggeschoben
und irgendwann vergessen; mit dem Effekt, dass der Sohnemann unzufrieden
ist und das Familienleben leidet. Dabei geht es weniger darum, nun auch
das Privatleben straff zu organisieren. "Vielmehr“, so der Wissenschaftler
weiter, "ist es wichtig, überhaupt anzufangen, auch ganz persönliche
Ziele in den Alltag mit einzubeziehen.“ Geschieht dies nicht, kommt es
regelmäßig zu Zielkonflikten zwischen Beruf, Familie und Freizeit,
zu Zielkonflikten also, die als stark stressauslösende Faktoren gelten.
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| Drei
Sekunden vor der Zukunft
Der Eigensinn der Leistungskurve |
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