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Zeit im Magazin Blüten der Ewigkeit
Heute schon ans Jahr 12.000 denken

von Holger Klemm
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Muss er gleich übertreiben? Daniel Hillis macht sich Gedanken um die Zukunft. Um die ferne Zukunft. Das Jahr 2.000 hat als Vision ausgedient. Aber muss der amerikanische Computerfreak deswegen gleich das Jahr 12.000 anvisieren?
Eine Uhr will er bauen - eine, die auch in 10.000 Jahren noch tickt. "Tickt Hillis noch richtig?", fragten sich die einen, als "Danny“ auf einer Party vor drei Jahren von seinem Plan erzählte. "Wonderful!", jubelten die anderen und zückten begeistert ihre Brieftaschen zur Unterstützung. Damit kam eine Lawine ins Rollen. Eine Stiftung, die Long Now Foundation, formierte sich als Fördergremium. Spitzentechniker tüfteln in San Francisco an technischen Details des Mega-Zeiteisens. Grabenkämpfe wüten zwischen Befürwortern von futuristischem und historischem Design. Standortfragen werden diskutiert - welcher Platz ist sicher vor Vandalismus, Erdbeben, Überschwemmungen und Atomschlägen? 

Ungerührt von all dem sitzt der 43jährige Hillis derweil in seinem Büro und streicht sich beim Grübeln die strähnig langen Haare aus dem Gesicht. "Wie bekommt man den Menschen dazu, in längeren Abläufen zu denken? Wie lässt sich die Zeitwahrnehmung ausdehnen?" U.S.-amerikanischem Horizont sind solche Fragen nicht entsprungen. Geprägt ist Hillis’ Sicht der Zivilisation von der Kindheit in Afrika. Zudem beschäftigt er sich heute mit Zen und asiatischer Philosophie.
Hillis selbst hat eine Kehrtwende hinter sich. Einst baute er den schnellsten Rechner, die "massiv parallel“ arbeitende "Thinking Machine“. Jetzt tüftelt er am Gegenteil, dem langsamsten Computer der Welt. Und dem ersten, der Jahr-Zehntausend kompatibel ist: Die Jahresanzeige der Uhr ist fünfstellig. Daneben werden Monate und Tage angezeigt. Das Tempo der Maschinerie: One beat per day. Auf kleinteiligere Einheiten verzichtet Hillis. Keine Stunden, Minuten oder Sekunden. Dafür sind die Stellung der Planeten und der Stand des Polarsterns ablesbar.
Die Uhr soll Symbol sein für das, was weit über das Vorstellbare, über Tagesgeschäfte, Wahlperioden und sonstige Begrenzungen hinaus reicht. Es weist gleichermaßen in Zukunft und Vergangenheit. Die Dauer ist nicht willkürlich - seit 10.000 Jahren sind Menschen sesshaft und schaffen Kultur.
Doch mehr und mehr gerät Hillis’ philosophischer Grundgedanke unter die Räder von Marketing und Science Fiction. Der Standort der Uhr - favorisiert ist der Grand Canyon - wird eher zum massentouristischen Event generieren, als meditatives Pilgerziel zu sein. Und Long-Now-Präsident Steward Brand macht sich schon mal Gedanken um die Außerirdischen: "Wenn die Aliens vorbeikommen und irgendwelche Zeichen suchen und sie finden eine tickende Uhr ... - das wäre ziemlich cool."

Drei Sekunden vor der Zukunft

Völlig unerwartet

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Leben ohne Verfallsdatum

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Auf die lange Bank geschoben

Schäferstündchen im Filofax

2001-Odyssee im Stadtraum

Der Takt des Lebens

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Zeit zum Sterben