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Zeit im Magazin Timing ist alles

Über die Rolle der Zeit im menschlichen Organismus
 

von Catarina Pietschmann
mailto:author

Zu allen Zeiten gab es Menschen, die mit einem schlechten Timing auskommen mussten. Sie sind leicht zu erkennen. Sie unterliegen im Faustkampf, weil sie nicht punktgenau treffen. Im Duell ziehen sie die Pistole als zweiter. Sie verpassen den ICE, weil sie immer zu spät kommen.
Psychologisch gesehen bedeutet Timing das Bewusstsein für das Vergehen der Zeit. Jeder Mensch besitzt diese unbewusste Fähigkeit. Sie läßt so manchen am Morgen bereits Augenblicke vor dem Klingeln des Weckers erwachen.
Biologen definieren Timing ganz anders. Für sie bedeutet es Aktivität, Entwicklung, Geschwindigkeit und Wachstum. Jedes Organ im Körper, jede Zelle, ja sogar jedes Molekül erfüllt seine Aufgabe in einer messbaren Zeiteinheit. Unser Organismus funktioniert wie ein Uhrwerk, in dem jedes Zahnrädchen perfekt in das nächste greift. Solange alles reibungslos abläuft, bekommen wir wenig davon mit. Lediglich das rythmische Schlagen des Herzens, der eigentlichen Zeitmaschine ins uns, erinnert stets daran. Fünf Liter Blut pumpt dieser gewaltige Muskel pro Minute durch unseren Körper.
Viele Zellen werden bereits während der Embryonalphase auf Vorrat für das ganze Leben gebildet. So entwickeln sich beim Fötus im Durchschnitt 250.000 Nervenzellen pro Minute. Das Neugeborene besitzt schließlich fast drei Billionen davon.
Aber die meisten Gewebestrukturen und unzählige kompliziert aufgebaute Moleküle - z. B. das Stresshormon Adrenalin oder die b-Endorphine (körpereigene Schmerzstiller) - werden wie in einer modernen Fabrik "just in timeď produziert, wenn sie gebraucht werden. So leben die meisten Leberzellen nur fünf Monate. Das Zahnfleisch erneuert sich alle zwei Wochen und eine Geschmackspapille auf der Zunge verrichtet nur zehn Tage ihren Dienst.
In Sekundenbruchteilen blinzeln oder niesen wir. Andere Vorgänge benötigen Stunden (Verdauung), Tage (Menstruationszyclus), Monate (Embryonalentwicklung) oder Jahre, wie die Lebensabschnitte, die wir alle durchlaufen: Kindheit, Pubertät, Erwachsensein und Alter. Aber egal, wieviel Zeit ein Vorgang benötigt: Jeder dieser Prozesse hat einen definierten Anfang und einen Endpunkt.
Die rasanten Fortschritte in der Medizin und den Biowissenschaften machen es möglich, dass Fehlfunktionen des Körpers besser unter Kontrolle gebracht und immer mehr Krankheiten geheilt werden können. Schon heute kann man Alterungsprozesse verlangsamen. Der Abschnitt des Alters wird immer länger, da er mehr und mehr als aktive Lebensphase verstanden wird.
Bald wird es gentechnisch möglich sein, unsere innere Uhr zu beschleunigen oder zu bremsen. Doch irgendwann ist für jeden die Zeit unwiderruflich abgelaufen und die Uhr bleibt stehen. Der Tod ist eingetreten - der Endpunkt des letzten Zeitabschnittes ist erreicht.

Quelle: Kenneth J. Rose, "The Body in Timeď (Wiley Science Edition, new York, 1989).

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