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Zeit im Magazin Schneller sehen
Warum es so schwer ist eine Fliege zu erschlagen

Von Kerstin Sulzberg
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Nur das Surren einer Fliege ist zu hören. Sonst herrscht Totenstille an der Bahnstation in der Wüste. Langer Staubmantel, Hut halb überm Gesicht sitzt ein Mann auf einer Bank am Gleis, die Beine weit von sich gestreckt. Er versucht sich nicht zu bewegen und keine Miene zu verziehen. Aber das Krabbeln der Fliege auf seinem verschwitzten Gesicht stört ihn. Immer wieder versucht er sie durch Pusten loszuwerden. Schließlich hebt er ganz langsam seinen Revolver. Plötzlich zuckt der Lauf vor, fängt die Fliege auf der Bank. Vorsichtig schiebt er den Finger vor die Mündung, hebt den Revolver ans Ohr und lauscht dem Brummen.

Wer schon einmal versucht hat, eine Fliege zu erschlagen, weiß, dass sie blitzschnell reagiert. Unser meist erfolgloser Versuch, sie zu töten oder zu fangen, muss wie ein Vorgang in Zeitlupe auf sie wirken. 
Während unsere eigene Reaktionszeit eine Zehntelsekunde beträgt, benötigt die Fliege nur eine Hundertstelsekunde. Ihr Erfolgsgeheimnis liegt im schnellen Sehen. Das Komplexauge der Fliege mit seinen mehreren tausend dicht nebeneinanderliegenden Einzelaugen liefert ihr nur ein mosaikartiges, grobgerastertes Bild. Ihre Sehschärfe ist der unseren unterlegen, weil bei ihr jede der optischen Einheiten einen Kegelwinkel von zwei bis drei Grad des Gesichtsfeldes auswerten muss - beim menschlichen Auge sind es nur 0,02 Grad, die jeder Rezeptor auswertet.
Dieses Defizit wird bei den schnellen Fliegern unter den Insekten durch ein hohes zeitliches Auflösungsvermögen ausgeglichen. Sie verfügen über eine Aufnahmegeschwindigkeit, die der des menschlichen Auges bis um das Zehnfache überlegen ist.
Die Schnelligkeit des Fliegenauges rührt von der Fähigkeit her, die maximale Erregbarkeit der Sehzellen auch nach intensiven Belichtungen in wenigen Millisekunden wiederherzustellen. Dies erlaubt nicht nur ein besonders ausgeprägtes Sehen von Bewegungen, sondern auch ein besonders gutes Sehen aus der eigenen schnellen Flugbewegung.

Auf der riesigen Leinwand das impressionistisch getupfte Bild einer Blumenwiese über der ein kleines Mädchen zu schweben scheint. Auf den Kinositzen Menschen, deren Hände ewig lange in Popcorntüten stecken oder starr Schokolade halten. Die Zeit scheint still zu stehen. Ganz langsam taucht das Kind in die Blumen ein.

Ein Kino für Fliegen müsste etwa 300 Bilder pro Sekunde zeigen, um den Tieren den Eindruck fließender Bewegung zu vermitteln. In unseren Kinos nehmen sie alles wie in Zeitlupe wahr. Unscharfe Bilder, die zu stehen scheinen.
Das zeitliche Auflösungsvermögen unserer Augen ist begrenzt. Folgt auf einen Lichtreiz zu rasch ein zweiter, so ist die Antwort auf den ersten noch nicht weit genug abgeklungen. Wir können diese Reize nicht getrennt wahrnehmen. Uns erscheinen etwa 18 bis 24 Bilder pro Sekunde als fließende Bewegung. Für die Fliege fast ein Standbild. 
Ihr dreiwöchiges Leben erscheint ihr viel länger als uns. Sie sieht und erlebt an ihrem Tag einfach mehr.

Da lief dem Schneiderlein endlich wie man sagt, die Laus über die Leber, es langte nach einem Tuchlappen, und "Wart, ich will es euch geben!“ schlug es unbarmherzig drauf. Als es abzog und zählte, so lagen nicht weniger als sieben Fliegen vor ihm tot und streckten die Beine. "Bist du ein Kerl!“ sprach er und mußte selbst seine Tapferkeit bewundern.

 

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