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Zeit im Magazin Leben ohne Verfallsdatum

von Stephan Liedigk
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Ewiges Leben - dieser Traum ist so alt wie die Menschheit. Fast jede Religion kennt eine Form der Weiterexistenz nach dem Tod. In den letzten Jahren glauben allerdings immer mehr Menschen, dass sie den Tod überlisten können. Ermöglichen soll dies der wissenschaftlich-technische Fortschritt, beispielsweise in der Gen- und Biotechnologie. Momentan bedeutet der Tod jedoch noch das unwiderrufliche Ende der menschlichen Existenz. Um diesem Schicksal zu entgehen, kann man sich nach seinem Tod einfrieren lassen. Die Hoffnung liegt dabei auf einer Wiederbelebung in der Zukunft.

Im Gefriertank der Ewigkeit entgegen

Die Firma Alcor in Arizona/USA ist eine der Institutionen, die sich auf das Einfrieren von Verstorbenen spezialisiert hat. Für 120.000 US-Dollar wird der Tote, im Szenejargon "Deanimierte“, bei minus 196° Celsius in flüssigem Stickstoff eingelagert. Billiger ist es, nur das Gehirn konservieren zu lassen. Dafür sind lediglich 50.000 US-Dollar zu zahlen. Nach der Wiedererweckung in einer unbestimmten Zukunft soll dann ein neuer Körper für die aufgetauten Gehirne geklont werden. Auch die nach heutigem Stand der Technik unvermeidlichen Gefrierschäden könnten nachträglich behoben werden, wie die Verfechter der Kryonik meinen. Der amerikanische Wissenschaftler Ralph Merkle setzt dabei, wie viele andere, auf Fortschritte in der Nanotechnologie. Winzige Maschinen, jede nur ein paar hundert Atome groß, sollen Zellschäden auf molekularer Ebene reparieren und die Blutbahnen von Eis befreien.

Ein technisches Paradies auf Erden

Tausende dieser sich selbst reproduzierenden Maschinen sollen dann in jedem Menschen existieren und dort permanent Krankheiten und den Alterungsprozess der Zellen bekämpfen. Nach Ansicht ihrer Anhänger ist die Nanotechnologie ebenfalls in der Lage, Nahrungsmittel und sogar ganze Städte zu erschaffen. Ein ewiges Leben in Jugend, Gesundheit und Wohlstand wäre damit praktisch möglich. Eine solche Technik liegt im Bereich des Machbaren. Merkle begründet dies damit, dass entsprechende Vorgänge jeden Tag in der Natur zu beobachten sind: "Nehmen sie zum Beispiel Gras: Eine existierende Struktur, nämlich ein Haufen Dreck, wird unter Zusatz von ein bisschen Licht und Wasser zu Gras umgebaut. Mit dem Gras kann man eine Kuh füttern, das ist wieder eine Umstrukturierung der Atome, und aus der Kuh kann man dann ein essbares Produkt machen, etwa einen Hamburger.“ 

Backup für die menschliche Software

Aber auch in einer solchen Zukunft wird es Risiken geben. Bei einem Unfall könnte das Gehirn irreparabel zerstört werden. Damit wäre die menschliche "Software“, die Persönlichkeit, verloren - ein unerträglicher Gedanke für jeden, der ewig existieren will. Die Antwort auf diese Gefahr heißt "Uploading“. Dabei wird die Persönlichkeit eines Menschen in einen Computer übertragen und eine Sicherungskopie erstellt. Wenn der natürliche Körper verloren geht, kann man dieses "Backup“ in einen menschenähnlichen Roboter übertragen. "Und das neue Wesen wird sich so verhalten wie ich“, sagt der amerikanische Computerforscher Ray Kurzweil. "Es wird meine Persönlichkeit, mein Wissen, meine Erinnerungen und Fähigkeiten haben. Eine Verschmelzung und Kooperation von Mensch und Maschine,“ so Kurzweil weiter, "wird in der Zukunft die Regel sein. Um diese zu gewährleisten, benötigen wir dann aber zumindest eine Techno-Elite, eine Prätorianergarde, High-Tech-Hohepriester, die den großen Rest der überwiegend ‘dümmeren’ Menschen lenkt und kontrolliert.“
Ob und wann sich der technisierte Traum vom ewigen Leben realisieren lässt, kann niemand definitiv sagen. Allerdings liegt eine grundsätzliche Gefahr auf dem Weg zur Unsterblichkeit schon im ersten Schritt verborgen. Alcor gibt keine Garantien auf die Zukunft ab.

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